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Der letzte Wahlsonntag war zugleich der erste Tag von Bits & Pretzels, einem dreitägigen internationalen Festival für 5.000 Besucher aus der Startup Szene. Wie beim Popmusik-Festival pendelten die Pretzel Junkies zwischen den verschiedenen Bühnen, zahlreiche von ihnen in Dirndl und Lederhosen, egal ob aus dem Sillicon Valley oder aus Hamburg angereist. Diversity im Münchener Stil. Onstage und offstage. Ich wollte in der ersten Reihe der Bühnenshow von Netflix Star und Storyteller Kevin Spacey aka Frank Underwood dabei sein. In der Hoffnung, etwas von dem weisen Hollywood-Darsteller lernen zu können.

Kevin Spacey gab ein exklusives Stage Coaching für Trivago-Gründer Rolf Schrömgens und Serial-Entrepreneur und Investor Lukasz Gadowski. Letzterer hat sicher gelernt, wie er seine Geschichte in Zukunft am besten erzählt und dass das Business-Studium in Paderborn eher nicht zu den Kernbotschaften eines Investorenpitches gehört. Der US-Filmstar ist seit Sonntag neben Andreas Bruckschlögl, Bernd Storm van’s Gravesande und Felix Haas vierter Partner der Bits & Pretzls. Damit haben die drei Gründer ihre Mission, die coolste Gründermesse der Welt zu werden, erfüllt.

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Die Location passt schon, denn München ist die digitale Hauptstadt Europas, die sich dazu noch angenehm vom Berliner “arm aber sexy”, mit “gold standard” und „wir wissen was wir tun“ abhebt. Mit einem funktionierenden Flughafen.

Angefangen hat Bits & Pretzels 2014 mit einem eher noch bescheidenen ersten Gründerfrühstück im Löwenbräukeller, wuchs aber bald zum Showtimegründerfestival. Die Stars der Szene, wie Richard Branson, zahlreiche DAX Vorstände und Gründer von Trivago, Delivery Hero, Fanmiles und Zendesk dominieren die mittlerweile sieben verschiedenen Bühnen. Die Storyline des Festivals ist durchaus vergleichbar mit Veranstaltungen für etablierte Großunternehmen. Es geht nicht primär um eitle Selbstdarstellung innerhalb der Start Up- Blase, sondern darum, wie ein Start Up tatsächlich erfolgreich werden kann. Um Scheitern, Wiederaufstehen und ums Weitermachen.

Auf der Academy Stage können sich die Teilnehmer fortbilden. Hier merke ich: Zuneigung wird gesucht, Durchhaltewillen hat man ja schon. Spätestens, seitdem man Herrn Spaceys persönliches Credo: „Ask yourself every day: What´s next?“ live gehört hat. Die Gründer möchten wissen: Gefällt das, was ich mache, gibt es Zuspruch?

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Die Ex- Beraterin von Steve Jobs, Andy Cunningham, erzählte unverstellt, wie PR heute funktioniert oder funktionieren soll. Für Start Ups gilt nichts anderes als für große Unternehmen. Nach Auffassung der Beraterin geht es seit der Entstehung des Internet bei der PR darum, dass ein Start Up seinen digitalen footprint im Markt hinterlässt. Denn als erstes googeln die Journalisten das Unternehmen Produkt oder die Dienstleistung. Findet sich nichts, landet die Anfrage im Digitalmüll. Schon deshalb, so Cunningham, sollen junge Firmen möglichst früh ihre Markt-DNA etablieren, eine authentische Unternehmensgeschichte erzählen. Das Narrativ muss stimmen: Warum gibt es Dein Unternehmen und warum gerade jetzt? Diese Geschichte sollte konsequent in alle Unternehmenskanäle mit einer immer gleich bleibenden Kernbotschaft bespielt werden. Zur relevanten Öffentlichkeit gehören heute vor allem die Influencer, allen voran die “Mummy Blogs”- für das Branding einer Marke eminent wichtig. Influencer sind nicht leicht zu finden, aber hierfür gibt es mittlerweile tools. Letztendlich sei PR nicht messbar und daher wie Pornographie, bei der es auch um ein Gefühl ginge. Diese Parallele habe ich nicht verstanden. Andy Cunningham wird wissen, wovon sie spricht, denn sie hat mit Steve Jobs zusammengearbeitet, der als erster ein „Love Brand“ im Technologiebereich geschaffen hat. Sie wurde von Steve Jobs fünf mal gefeuert, aber eben auch immer wieder eingestellt.

Die Konferenz ging am dritten Tag mit dem „Table Captains“ Format für das ideale Networking am Münchner Oktoberfest zu Ende. Der Thementisch “Diversity” interessierte mich. Aber beim Dresscode Dirndl war dann doch mein Berliner Akku leer.

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